Eine Frage, die immer wieder – auch von Christen in Glaubenskrisen – gestellt wird, und die eigentlich einigermaßen absurd ist, wenn das stimmt, was Gott in seinem Buch, der Bibel, über sich selbst sagt. Denn wenn Gott tatsächlich alles geschaffen hat, wenn er alles permanent am Laufen hält, und ohne ihn nichts wäre, was ist, dann ist diese Frage bereits ausreichend beantwortet. Und trotzdem stellt sich Gott dieser Frage, und ist bereit, sie uns zu beantworten.

Im Neuen Testament findet sich insgesamt fünf Mal sinngemäß folgende Aussage von Jesus:

„Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich aufgibt, der wird es für immer gewinnen.“

Gott fordert von uns alles. Aber er ist bereit, uns dafür etwas besseres zu geben. Für alle, denen das zu abstrakt ist oder zu paradox erscheint, folgende persönliche Geschichte:

Gott nahe zu sein macht etwas mit mir. Es verändert mein Denken und meine Wahrnehmung. Wenn ich Gottes Nähe suche und mich darin aufhalte, bin ich anders als wenn ich das nicht tue. Es ist, wie wenn ein Schleier vor mir weggezogen würde. Ich nehme anders, weiter und tiefer wahr. Ich sehe und spüre mein Umfeld intensiver. Das Gras ist grüner, die Bäume schöner und der Himmel blauer. Klingt kitschig, ist aber so. Aber auch mein Blick auf Menschen verändert sich. Ich sehe das Gute und Schöne und Kostbare in Menschen. Und zwar in allen Menschen, völlig egal wie sie äußerlich erscheinen. Das ist erstaunlich, wenn man hinter einem äußerlich hässlichen, verwahrlosten, schäbigen, bitteren oder arroganten Erscheinungsbild plötzlich den wunderbaren Menschen dahinter sieht. Und gefühlsmäßig eine Ahnung davon bekommt, was zu diesem Erscheinungsbild geführt hat.

Gott nahe zu sein verändert auch meine Haltung zu den Dingen. Meine Härte, Ungeduld, meine Selbstgerechtigkeit, aber auch meine Angst und Unsicherheit werden kleiner und verschwinden manchmal völlig, wie „weggedampft“. Das ist nicht immer so radikal, aber es wird immer deutlich besser und leichter. Mein Innerstes ist erfüllt von einer inneren Ausgeglichenheit und Gelassenheit, einer tiefen Liebe zu Menschen und Dingen. Es ist diese Veränderung in meinem Innersten, die zu vorher beschriebenen Veränderungen meiner Wahrnehumng führt.

Wer mich kennt weiß, dass das nicht immer so nach außen hin sichtbar und spürbar wird. Weil es in meinem Innersten nicht immer so aussieht. Immer, immer wieder Gottes Nähe und Gegenwart zu suchen ist immer wieder auch ein zäher Kampf. Weil ein Teil von mir immer noch geprägt ist davon, von Gott unabhängig sein zu wollen. Dieser Teil in mir hasst es, sich Gott unterzuordnen. Er ist geprägt von einem völlig irrationalen Unabhängigkeitsbestreben, weil er völlig blind ist dafür, was es zu gewinnen gibt, wenn man bereit ist, Gottes Nähe und Gegenwart zu suchen und sich Ihm ganz unterzuordnen.

Dieser Teil in mir erträgt die Paradoxie nicht, dass der einzige Weg zu wahrer Freiheit die völlige Unterordnung unter Gott ist. Er kann und will nicht begreifen, dass mein wahres Selbst erst sichtbar werden kann, wenn ich mich Gott unterordne. Nicht weil ich muss. Sondern weil ich will. Weil ich erst dann wirklich ich selbst sein kann, wenn ich ganz bei Gott bin. Solange ich das nicht bin, ist mein ich ein beschädigtes Zerrbild meines wahren Selbst. Selbst dann, wenn ich ein „gutes“ Leben führe. Gerade ein „gutes“ Leben kann uns blind dafür machen, dass es noch so viel mehr gibt. Indem wir uns völlig anders ausrichten. Menschen, die ein „gutes“ Leben führen, fällt diese Entscheidung für Gott und gegen das „eigene“ besonders schwer. Menschen, die ohnehin nichts mehr zu verlieren haben, gelingt das wesentlich leichter.

Was habe ich nun von Gott?

Sehr simpel gesagt: Ein neues, anderes, und unglaublich viel besseres Leben. Gott macht mich frei von meiner Selbstzentriertheit. Er öffnet meinen Blick für die Menschen um mich herum. Er öffnet meinen Blick für die Schönheit um mich herum. Und er öffnet meinen Blick dafür, dass wahres Glück nicht darin besteht, mich selbst zu verwirklichen, sondern darin, mich selbst zu verschenken.

Und, was das allerbeste daran ist: Er gibt mir die Kraft, das zu tun. Jesus sagte in der Bergpredigt: Wer zu seinem Mitmenschen nur sagt: „Du Idiot…“ ist gleich schuldig wie wenn er ihn gleich erschlagen hätte. Das ist ein Standard, der mit menschlichen Möglichkeiten völlig unerreichbar ist. Mit Gottes Hilfe aber, und mit der Kraft von Gottes Heiligem Geist, den Jesus jedem schenkt, der ihm nachfolgen will, ist auch das Unmögliche möglich. Bei Gott werden selbst Wunder sofort erledigt.

Dort hineinzuwachsen ist ein lebenslanger Prozess. John Newton (der Autor von „Amazing Grace“) schrieb sinngemäß: „Ich bin weder der Mensch, der sein sollte, der ich gerne wäre oder der ich hoffe, einmal zu sein. Aber durch Gottes Gnade bin ich nicht mehr der Mensch, der ich einmal war.“ Genau darum geht es.

Schön und gut, aber wie ist das in Härten und Schwierigkeiten? Ist dann das Gras immer noch so grün? Nein, ist es nicht. Aber es macht trotzdem einen Unterschied. Paulus spricht vom inneren Frieden der „höher ist als jede menschliche Vernunft“. Ein innerer Friede, der von schwierigen Umständen deswegen nicht totzukriegen ist, weil er weit darüber schwebt. Ein innerer Friede, der sich aus der Sicherheit speist, dass Gott über allen Lebensumständen steht und alle Dinge so wenden kann, dass am Ende etwas gutes dabei herauskommt. Selbst wenn das große Lebenskatastrophen sind. Mein schweres Burnout und eine katastrophale Beziehung vor meiner Ehe waren entscheidende Schritte, um meinen Charakter tief umzuformen, und mich zu einem geduldigeren, verständnisvolleren und barmherzigeren Menschen zu machen. Es waren furchtbare Zeiten. Aber das, was am Ende daraus wurde, war sehr, sehr gut. So ist Gott. Und die Türe dorthin steht jedem offen. Indem wir unser Leben in Gottes Hand legen. Denn erst dort wird unser eigentliches Leben beginnen.