Also etwas zu meiner Person.

 

Ich bin heute glücklich verheirateter Familienvater, habe das Privileg, eine Gemeinde leiten zu dürfen, wir haben eine schöne Wohnung und es geht uns eigentlich sehr, sehr gut. Das war nicht immer so. Meine Kindheit und Jugend waren alles andere als glücklich. Wir haben als Familie sehr aneinander gelitten. Mein Vater wuchs auf in einer Zeit, die weit weniger Kinderfreundlich war als meine Kindheit in den frühen 1970ern, und da war Wien kein guter Platz für Kinder. Er war ein sensibler Mann, dessen Jugend geprägt war von den schweren Bombardierungen der letzten drei Kriegsjahre, vom Hunger in den ersten Jahren nach dem Krieg, von einer verlorenen Jugend und davon, dass er als junger Mann in einem völlig zerstörten Land irgendwie eine Existenz aufbauen musste. All das hat es ihm sehr schwer gemacht, das zu leben, was Gott eigentlich in ihn hineingelegt hat. Und trotzdem bin ich ihm heute unglaublich dankbar für das, was ich von ihm geerbt und gelernt habe. Er war ein außergewöhnlicher Mann, der ziemlich unbeeindruckt von gesellschaftlichen Normen seinen Weg ging, dem Familie wichtiger war als Geld, der meine Verrücktheiten als Teenager mit erstaunlicher Toleranz und Gelassenheit nahm, und der trotz allem immer an mich glaubte. Als Teenager habe ich ihn gehasst. Heute bin ich stolz und dankbar für alles, was er mir mitgegeben hat.

Wie ging es weiter:

Mit 19 Jahren entschied ich mich, meinen weiteren Weg mit Jesus zu gehen. Das hat mich durch völlig unterschiedliche Gemeinden geführt. Aufgewachsen als aufrechter Evangelischer, im Bewusstsein, der „bessere“ Christ zu sein als all die Katholiken mit all dem Schrott, den sie glauben, kam ich zuerst in eine evangelikale Freikirche. Und war damit der noch viel bessere Christ. Immerhin war ich nun nicht mehr Teil der „lauen Amtskirche“, sondern gehörte quasi zur Christlichen Elite, wo nur die dabei sind, die es wirklich ernst meinen mit Jesus. Fünf Jahre blieb ich dort, dann zog es mich weg. Meine nächste Station war dann eine ziemlich wilde charismatische Freikirche, und nun war ich am Gipfel angelangt. Der Top-Christ sozusagen. Nun auch mit dem Heiligen Geist ausgestattet, den die Evangelikalen bekanntermaßen ja nicht haben. Dann erlebte ich mein persönliches Ostern, wo mir Gott im tiefsten Inneren meines Herzens begegnete, und dort ein unglaubliches Wunder vollbrachte. Meine tiefe Selbstablehnung, meine Selbstzweifel, meine Zweifel an Gott waren plötzlich wie weggeblasen. Gott erfüllte mein Innerstes mit der Vaterliebe, die mir mein Leben lang gefehlt hatte, und damit war mit einem Schlag alles anders. Es war, als ob mir mit einem Schlag ein fehlendes Bein nachgewachsen wäre, so dramatisch empfand ich diesen Einschnitt. Und dann ging es ab in die Wüste.

Meine Wüstenzeit:

Wie schon angedeutet war ich tief geprägt von einer ziemlich ungesunden Überheblichkeit. Mich selbst für den besseren Christen zu halten war mir zu der Krücke geworden, die mein fehlendes Selbstbewusstsein übertünchen sollte. Und genau diese Krücke zerbrach nun. Mein gesamtes Beziehnungsnetzwerk fiel auseinander. Ich schmiss Arbeit, Wohnung und die Gemeinde, die am Zerbrechen war hin, und flüchtete nach Leoben an die Montanuniversität, nur um dort festzustellen, dass aus mir nie ein Techniker werden wird. Ich flüchtete weiter in eine Beziehung, die sich als Desaster herausstellte, weil meine damalige Partnerin bald darauf in eine schwere Depression abstürzte und ich die nächsten Jahre damit beschäftigt war, siezu pflegen. Und das, obwohl die Beziehung nie gut funktioniert hatte. Das einzig Positive aus dieser Zeit war, dass sie mich in den Sozialbereich führte, wo ich zumindest Beruflich einmal einen Ort fand, wo ich ankommen konnte und merkte, dass ich hier endlich richtig war. Nach fünf Jahren war die Beziehung zu Ende, weil sie nicht mehr zu retten war. Unsere gemeinsame Basis war dass sie nicht alleine sein konnte, und ich nicht alleine sein wollte. Und das war eindeutig zu wenig. Nachdem dieses dunkle Kapitel endlich hinter mir lag, machte ich mich endlich wieder auf die Suche nach Gemeinschaft mit anderen Christen. Und durch eine Kette erstaunlicher „Zufälle“ landete ich so in der Vineyard Wien, wo ich endlich mein spirituelles Zuhause fand.

Ankommen:

Was heißt „spirituelles Zuhause“? Für mich: Eine Kirche, die Evangelikales und Charismatisches Denken zusammenführt. Evangelikal, in dem sie auf einem sehr soliden biblischen Fundament aufbaut und großen Wert auf fundierte Theologie legt. Charismatisch, indem sie Gaben und Wirken des Heiligen Geistes mit hereinnimmt, ohne daraus eine große Show zu machen. Sehr authentisch und fern von frommen Sprüchen und frommen Formalismen. Sehr bescheiden, weil sich die Vineyard-Bewegung nicht als irgend etwas „besseres“ sieht, sondern als eine von vielen Kirchen und Gemeinschaften, die gemeinsam den sichtbaren Körper von Jesus in dieser Welt bilden. Ich möchte nirgendwo anders sein. Aber ich weiß auch, dass es gut und sinnvoll ist, dass es heute eine Vielzahl christlicher Kirchen und Gemeinschaften gibt. Weil wir in Wirklichkeit nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Sondern alle gemeinsam daran arbeiten, Menschen für Jesus zu gewinnen und diese Welt in einen besseren und gerechteren Ort zu verwandeln. Jede Gemeinschaft hat ihre Stärken, und jede hat ihre Schwächen. Das große, ganze Bild ergibt sich erst aus der Zusammenschau all dieser Teile.